Preußisches Bleisatz-Magazin
Vom Kommenden

Gastbeitrag: Gott gibt dem Preußen einen Rat 3.370 views 1

Lieber Georg,
na, wie isset? Joot? Muss? Naja.

Aber ganz konkret: Wie waren die letzten Tage? Was hast Du erlebt? Ist was schlimmes passiert? Flattern Dir die Nerven? Grübelst Du?

Du schriebst zuletzt etwas von einer Methode, sich auf wesentliches zu reduzieren. Das hat mir gefallen. Genau das ist der richtige Weg. Denke in der Kategorie Jetzt & Hier. Taste Dich von Tag zu Tag. Geht’s Dir nicht gut heute? Was könnte Dir helfen? Schlafen? Schlaf. Arbeiten? Arbeite. Du kannst nachts nicht schlafen? Schau fern oder lese oder mach, was Dir gerade Freude bereiten würde. Hilft alles nichts? Hak‘ den Tag ab, jammern macht ihn auch nicht besser. Hast Du auch einmal einen guten Tag? Erzähl! Was hat Dir an ihm gefallen? Kannst Du ihn, den guten Tag, als Geschenk verstehen? Von wem? Blöde Frage, Du Trollo. ^^

Ich habe mitbekommen, daß es am 12. Mai losgeht mit Deinen Untersuchungen. Dein Schutzengel ist schon los und wartet vor dem Eingang dort auf Dich. Sie werden Dich ein wenig piesacken, stechen, zwicken, Dir einen Haufen Fragen stellen und Dich anschauen wie ein Objekt. Sei’s drum. Sie sehen Dich rein professionell. Genau das, was Du im Moment brauchst. Samstag bist Du dann wieder in Deinem komischen Preußischen Bleisatz-Dings und kannst Dich ausruhen. Weißt Du was? Ich schick Dir für Sonntag schönes Wetter. So als Ausgleich. Und wenn ich es mir anders überlegen sollte, dann denkst Du Dir «Hab‘ Sonne im Herzen, ob‘ stürmt oder schneit.» Was willst Du noch? Die Miete ist bezahlt, das Geld für die Kinder, für’s Essen reicht’s Dir dreimal… also: pffftt…

Seelische Unterstützung findest Du ja bereits und das finde ich sehr schön für Dich. Und ich habe wirklich nicht daran gedreht. Darauf sind diese Leute ganz allein gekommen. Ist es nicht schön für Dich, solche guten Freunde zu haben? So unaufdringlich, so wohltuend? Da hast Du was, das kannst Du gar nicht hoch genug werten. Und Dein Kollege hat sogar ein Versal-G für Gott mit eingebaut. Höhö… (Er würde das jetzt wahrscheinlich zunächst abstreiten wollen, dann jedoch aus Höflichkeit einfach überlesen. Der Mann hat Manieren.)

Ich habe übrigens heute morgen mitgehört, als Deine «Große Schwester» Dich anrief. Sie hat recht: Du warst schon immer ein Stehaufmännchen, egal, welcher Schicksalsschlag Dich gerade einmal umgehauen hatte. Hast nie aufgehört, zu kämpfen, mein Alter… bist ein richtiger Straßenkämpfer, mh? Gut so, Junge. Genau so ist es richtig.

Ich hoffe, es war Dir recht, daß ich mich noch einmal gemeldet habe. Deine Akte liegt hier auf tägliche Wiedervorlage. Also auch, wenn ich mich nicht täglich melde: Ich schaue schon nach Dir.

Ich werde jetzt erst einmal ein wenig Musik hören. Chick Corea «Return To Forever». Und dort das Lied «What Games Shall We Play Today?» Wie sinnig. Soll aber keine Anspielung sein oder so. Hör‘ doch einfach mit. Solche Musik hört Gott. Da kann ja dann nichts falsch dran sein. Ach ja… noch eins… nur unter uns beiden: Ehm… Du mußt nicht zwingend immer und jederzeit den harten Kerl spielen. Zum einen nimmt Dir diese Rolle eh kaum jemand ab — siehe Deine Adventsgeschichte vom Vorjahr — und zum anderen waren und sind auch die harten Jungs manchmal angeknockt (an-, nicht aus-). Preußen dürfen auch einmal Schwäche zeigen, ohne daß man sie für Weicheier hält. Grins… (Wie gut, daß ich kein Preuße bin)

Ach, noch ein Postscriptum: Du warst heute Morgen beim Friseur. Gehört wohl auch zur äußeren und inneren Vorbereitung auf nächste Woche und so? Gut, gut. Ich habe mir erlaubt, einen Schnappschuß zu erstellen im Friseurladen. ^^ Ich trage lieber weiter lang. 3 mm an den Seiten und dann das lange Oberhaar mit strammem Scheitel… das sähe bei Gott vermutlich… befremdend aus? Na, wenn’s Dir gefällt. 🙂

Deutscher Haarschnitt

  1. Kommentar by Preuße — 8. Mai 2010 @ 07:12

    Moin, Moin lieber Gott,
    danke für die guten Ratschläge. Manchmal kann ich sie erfolgreich umsetzen, wie jetzt gerade; manchmal nicht. Das ist ganz einfach so.
    Dabei ist erstaunlich, wieviel Energie ich freisetzen kann, wenn ich mich ausschließlich um die Erledigung der beruflichen und privaten Angelegenheiten kümmere. Wie immer hat jedes Ding zwei Seiten, also auch — so doof sich das liest — dieses aktuelle Problem. Ich kippe mich mit Arbeit zu, um nicht zuviel zu grübeln. Und da ich so sehr viel erledigt bekomme, wirkt sich das wiederum positiv auf meine Psyche und ja, auch auf meinen Geldbeutel aus. Das ist gut.

    Heute gebe ich eine Schulung — auf englisch für eine Amerikanern. Sie wird sich schief lachen über mein Pidgin-English, aber das macht nichts. Es wird Spaß machen. Sie wird etwas lernen und ich bekomme einmal wieder mit, wie amerikanische Frauen ticken.

    Nein, wirklich: Heute ist ein guter Tag. Mir geht’s ganz prima und ich habe gute Laune. Wie das morgen aussieht, werden wir ja sehen.

    Bis dahin… (beinahe hätte ich geschrieben: Man sieht sich, aber Du weißt ja, ich bin ein bißchen abergläubig. Mein altes Germanen-Gen, als wir Dich noch anders nannten. 😉 Du verzeihst mir, ja? Da fällt mir ein… die ollen Germanen kamen doch nach Walhalla. Wie geht’s denen denn da? Mir ist schon klar, daß Du, lieber Gott, in einer Art „Friendly Overtake“ dort schon immer das Sagen hattest, aber Du hast den Kameraden doch ihren Thingplatz gelassen?

    Besten Gruß an meinen Schutzengel.

    Yours (ich übe Anglophiles)
    Georg

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