Preußisches Bleisatz-Magazin
Messer raus

Köln…, naja Köln 6.007 views 0

Vorwort

Ich bekam eine Anfrage vom Netzportal Kölninside.de, ob ich willens sei, gelegentlich für deren Webmagazin zu schreiben. Auch eine Erlaubnis, die eine oder andere meiner Kurzgeschichten zu veröffentlichen, wurde erbeten. Nun bin ich Egomane genug, um mich geschmeichelt zu fühlen. Auch, weil mir der Feuilleton-Bereich des Netzportales durchaus sympathisch erscheint. Wolfgang Schreck, einer der Betreiber von KölnInside, ist dazu ein alter Berufskollege, kennt meine Texte, weiß mit mir umzugehen, nimmt meine Sperrigkeit humorvoll. Also was will man mehr. Problem: Wolfgang und sein Team sind Kölner. Ich bin Düsseldorfer. In diesen Fakten liegt eine gewisse Brisanz. Die ich mit einer Bewerbung in Form einer Glosse auflöste. Und siehe da: Meine Bewerbung wurde, wörtlich: Lobloblob, angenommen. Aber lesen Sie selbst.

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Also ich, ne… ich bin Düsseldorfer. Eigentlich könnte ich diesen Text nun schließen, denn in Verbindung mit der Überschrift ist alles gesagt. Jeder Düsseldorfer und jeder Kölner weiß jetzt Bescheid. Wie? Sie sind ein Immi? Ein Zugereister? Naja, gut. Leben und leben lassen. Dann erzähl‘ ich Ihnen mal was von Köln und Düsseldorf.

Historisch gesehen, sprechen wir hier über typisch rheinländischen Klüngel, eine Spezialität unserer Provinz. Ich erspar mir die Details und verweise auf die mannigfachen Informationen, die, ob nun falsch oder richtig, im großen Weltnetz kursieren — Stichwortsuche: Die Schlacht von Worringen.

Wichtig zu wissen ist eigentlich nur, daß sich seit dieser Schlacht im Jahre 1288 die Düsseldorfer und die Kölner nicht mehr ausstehen können. 1288 ist übrigens auch das Jahr, in dem Düsseldorf zur Stadt aufstieg, ein Privileg des Grafen von Berg. Düsseldorf ist also viel jünger als Köln. Und jünger ist immer auch schöner, glänzender, moderner, richtig? Na also…

Kommen wir zu den wichtigen Unterschieden der beiden Städte: Der Düsseldorfer trinkt würziges, süffiges Altbier aus speziellen handlichen Altbiergläsern. Der Kölner dagegen ein zumindest optisch urin-ähnliches Gebräu aus Reagenzgläsern. Jeder Physiker kann Ihnen erklären, warum es unsinnig ist, den Schwerpunkt voller Biergläser bewußt so hoch anzusetzen, daß beim Transport eines vollen Bier-Tabletts immer die Gefahr des Umkippens besteht. Nun muß man anerkennen, daß der Kölner an sich durchaus pfiffig ist. So transportiert der Köbes (so nennt man im Rheinland gemeinhin die Kellner) die Kölsch-Stangen in speziell entwickelten Tragekörbchen. Das sieht zwar sehr schwul aus, aber gut… bloß keine Vorurteile. Dennoch kippen die Gläser auf den Tischen laufend um. In der glorreichen Zeit des rein Öffentlich-Rechtlichen-Fernsehens gab es in der Sendung von Robert Lembke „Was bin ich?“, in der ein Gast zu Beginn der Sendung eine typische Körperbewegung als Symbol für seine Tätigkeit vorführte, anhand derer ein Rate-Team diese herausfinden mußte, den Fall eines mittelgroßen Kandidaten, der, laut „Alaaf“ gröhlend, die Tischplatte ableckte. Wie aus der Pistole geschossen kam von Hans Sachs, einem der Teilnehmer des Teams, die richtige Antwort „Kölner Alkoholiker, vom Tresen das umgekippte Kölsch ableckend.“ Setzen, 100 Punkte.

Nun liegt Köln rund 60 km rheinaufwärts zu Düsseldorf. Köln wurde im Jahre 38 vor Christus bereits von den Geschichtsschreibern des römischen Kaisers Agrippa erwähnt. Können Sie mir bitte erklären, wie man in exakt 2.048 Jahren immer noch nicht begriffen hat, daß der Rhein pünktlich in der zweiten Dezember-Hälfte Hochwasser führt? Seit 2.048 Jahren überschwemmt der Rhein ab Mitte Dezember die Kölner Altstadt. Und in jedem Jahr ist in Köln die Überraschung hierüber groß. Ich empfinde das als pure Lernresistenz.

Lassen Sie uns einen Versuch machen: Wer ist der Typ hinten im Urlaubsflieger, der sich — warum auch immer; vielleicht weil sie ihm das Öffnen der Fenster verweigert? — lautstark mit der Stewardess anlegt? Ja, richtig: Dies ist eine Kölner Familie, unterwegs nach Antalya, Mallorca oder Teneriffa. Es ist dieselbe Familie, die auf dem Rückflug nach der Landung klatscht und „Zugabe“ brüllt. Der Typ in weißen Socken in braunen Sandalen, Goldkette (nein, kein Diminutiv Kettchen, ich meine eine Kette!) und dem schreiend-bunten Hawaii-Hemd: Das ist ein Kölner. Diejenigen auf den vorderen Plätzen des Fliegers, die sich im Fremdschämen üben: Das sind Düsseldorfer.

In den letzten 55 Jahren war ich genau dreimal in Köln: Einmal mußte ich wichtige Unterlagen in der Zentrale einer Versicherung abgeben, zweimal habe ich mir sehr liebe Besucher zum Kölner Dom gefahren, den sie — aus welchem Grund auch immer — unbedingt besichtigen wollten. Natürlich habe ich im Auto vor dem Dom gewartet. Immer wieder aufgescheucht von gemein blickenden Politessen, mit Lichthupe bedrängt von Abschleppfahrzeugen. Ein Anhänger des Kölner Eishockeyvereins in voller Fan-Kluft meinte, seine Peristaltik vor dem DEG-Aufkleber an meinem Wagen unter Beweis stellen zu müssen. Vom Plakat des U-Bahn-Baustellenzaunes schaute eine ausgeweidete Leiche der Körperwelten-Ausstellung des Pathologen Gunter von Hagen gelangweilt zu. Die Ausstellung befand sich nahe des Rheins am Heumarkt. Mal sehen, ob sie das nächste Weihnachtshochwasser überlebt.

Nun darf man das Verhältnis der Düsseldorfer und der Kölner zueinander nicht pauschalisieren. Es ist kein Hass, wirklich nicht. Wo die DEG, der Düsseldorfer Eishockey-Verein, in der Tabelle steht, ist nicht das wichtigste im Leben eines Düsseldorfers — solange sie in der laufenden Saison die Kölner Haie schlägt.

Wir sind wie Geschwister, die einander gehörig auf die Nerven gehen, einander kratzen und beißen, aber fest zusammenhalten, wenn irgendwer außerhalb des Rheinlandes uns niedermachen will. Das geht gar nicht. Wir, ja, nur wir Düsseldorfer dürfen die Kölner hart kritisieren, sonst niemand. Sonst heißt es schnell: „Knüppel inne Täsch, Schabau inne Fläsch un‘ wenn mer keene Knüppel hant, dann schla‘ mer mitte Fläsch.“ Außerhalb des Rheinlandes nennt man so etwas dann „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“ — Meine Antwort: „Ist der Ruf erst ruiniert, lästert’s sich ganz ungeniert.“

Dies ist mein Bewerbungs-Essay für das Netzportal von KölnInside.de, deren Betreiber, mein alter Berufskollege, Wolfgang Schreck, mir vielleicht die Gelegenheit gibt, meine Erzählungen und Kurzgeschichten in seinem Portal zu veröffentlichen. Was mir eine Ehre wäre.

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